GEDANKENKABINETT Nichts muss bleiben, wie es ist
                      GEDANKENKABINETTNichts muss bleiben, wie es ist

 

Gedichte aus der kalten Welt

 

'Gedichte aus der kalten Welt' lautet der Titel meines Gedichtbands, den ich im Januar 2014 begonnen habe.

Im Folgenden ein Auszug:

 

 

Die Bomben von Beirut

 

Die Bomben von Beirut erhellen die Nacht wie Wetterleuchten

Die Erde dampft unter geschossenen eisernen Tränen

Wenn die Dummen fleißig werden

Verfolgt das lodernde Feuer nur die Verscheuchten

 

Keine Elfen, nicht Kobolde in der Ionosphäre

Entladen die Elmsfeuer Eurer hohen Herzen

Wenn kleine Prinzen Steine essen

Und Eure armen Königstöchter mit den Ratten fressen

 

Habt Ihr noch lange nicht genug

 

Ja, wenn die Dummen fleißig werden

Nehmt Eure Siebenmeilenstiefel,

meine lieben, armen Kinder

und springt vom Erdball weit, weit weg

 

bis hinter den Regenbogen

und landet sanft auf weichen, warmen Wiesen

und leint Euch ganz fest an

damit Ihr nimmer wiederkehrt

 

Kafkas Maus

 

In einer Falle saß eine Maus

Vor der Falle die Katzen

Bleib ich hier oder geh ich raus?

So oder so werd ich abkratzen

 

So denkt die Maus und überlegt

Regen oder Traufe?

Im Regen immerzu unbewegt

In der Traufe musst du laufe

 

Also verhungern oder geschlachtet werden

Langsam sterben oder schnell

Die Katzen schnurren schon in Herden

Lecken gierig nass ihr Fell

 

Die Falle quetscht und klemmt

Die Katzen kratzen an den Rändern

Bis eine hungrige Katze flennt

„Du musst nur die Richtung ändern!“

 

Kurz spricht’s, lang überlegt’s

Die Maus scheint es nicht zu verstehen

Doch plötzlich ist sie ganz erregt

„Ich werd' hier nicht untergehen!“

 

Und nimmt tief Luft und bläht sich auf

Bläst ihre Backen auf, bis sie platzt

Die Katzen lachen und sind gut drauf

So einfach sind die Sachen, wenn du abkratzt

Im Glück nicht stolz sein, im Leid nicht zagen, das Unvermeidliche mit Würde tragen, das Rechte tun, am Schönen sich erfreuen, das Leben lieben und den Tod nicht scheuen und fest an Gott und bess're Zukunft glauben, heißt Leben, heißt dem Tod sein Bitt’res rauben.

(Carl Streckfuß)

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